Schlesien auf dem Teller: Ein Tipp führt ins Syrenka
von Jens vom Kolberg-Café
Wer sagt eigentlich, dass man für eine kulinarische Reise durch Polen weit fahren muss? Ein Tipp aus unserer Leserschaft führt diesmal ins Restaurant Syrenka, wo im November eine schlesische Speisekarte auf hungrige Entdecker wartet. Und die hat es durchaus in sich.
Manchmal sind es die Tipps unserer Leserinnen und Leser, die uns auf die interessantesten Dinge aufmerksam machen. Diesmal geht es nicht um einen neuen Geheimtipp am Strand oder das nächste gemütliche Café, sondern um eine kleine kulinarische Reise in eine Region, in der deftiges Essen offenbar noch als ernst zu nehmende Lebensaufgabe verstanden wird: Schlesien.
Das Restaurant Syrenka hat derzeit eine eigene schlesische Speisekarte aufgelegt. Und wer beim Wort „schlesische Küche“ spontan an Kartoffeln, Fleisch und ordentlich Sauce denkt, liegt schon einmal ziemlich richtig. Wer allerdings glaubt, damit sei die Sache erledigt, sollte einen genaueren Blick auf die Karte werfen.
Hier wird nicht mit kleinen Portionen herumgespielt
Los geht es beispielsweise mit einem schlesischen Kartoffelsalat für 34 Złoty. Allerdings nicht mit irgendeinem Salat, bei dem drei Kartoffelwürfel traurig neben einem Salatblatt liegen. Hier kommen Speck, Zwiebeln und Gewürzgurken dazu. Hausgemachtes Brot und Butter gibt es ebenfalls. Das klingt nach einem ziemlich soliden Einstieg.
Wer lieber mit dem Löffel beginnt, kann zur Erbsensuppe für 28 Złoty greifen. Die Beschreibung verspricht eine kräftige, sättigende Suppe mit Kartoffeln, geräuchertem Fleisch und schlesischer Wurst. Also eher etwas für Menschen, die eine Suppe nicht als Vorspeise, sondern als ernsthafte Mahlzeit betrachten.
Sonntagsessen – auch ohne Sonntag?
Besonders interessant wird es bei den Hauptgerichten. Die schlesische Rinderroulade für 72 Złoty kommt ganz klassisch daher: gefüllt mit Speck, Gewürzgurken, Zwiebeln und Senf, dazu eigene Sauce, schlesische Kartoffelklöße und Rotkohl.
Das ist genau die Sorte Essen, bei der man sich nach dem ersten Bissen fragt, warum man eigentlich so lange nichts Schlesisches gegessen hat.
Ebenfalls auf der Karte stehen Karminalde mit Panczkraut für 49 Złoty. Dahinter verbergen sich saftige schlesische Hackfleischfrikadellen, serviert mit Panczkraut – gedämpften Kartoffeln mit Sauerkraut und Grieben. Wer es etwas rustikaler mag, dürfte auch bei der gebratenen schlesischen Blutwurst für 49 Złoty fündig werden. Dazu gibt es Kartoffelpüree, geschmorten Weißkohl mit Speck, Meerrettich und Senf.
Und dann wäre da noch die Schweinshaxe für 85 Złoty. Langsam gebacken und zart, mit Kartoffelpüree und geschmortem Weißkohl. Leicht ist anders, aber darum geht es bei dieser Küche vermutlich auch nicht.
Wer lieber Rindfleisch mag, findet Rindergeschnetzeltes in eigener Sauce für 66 Złoty. Serviert wird es mit Kartoffelpüree und gebratenen roten Beten.
Und danach? Natürlich noch etwas Süßes!
Nach so viel herzhaftem Schlesien könnte man eigentlich zufrieden die Speisekarte zuklappen. Eigentlich. Denn zum Nachtisch wartet noch eine Spezialität namens Makówki nach Art des Hauses für 36 Złoty.
Dahinter steckt ein hausgemachter Hefezopf, in Butter angebraten und mit Mohncreme, Vanille-Mascarpone, Mandeln und Orangenschale serviert. Das klingt nicht unbedingt nach einem Dessert, das man nur aus Höflichkeit bestellt.
Unser Fazit: Ein Tipp, der Appetit macht
Die schlesische Küche ist nichts für Menschen, die beim Essen ausschließlich Kalorien zählen möchten. Sie ist herzhaft, bodenständig und offenbar ziemlich gut darin, aus einfachen Zutaten ein ordentliches Wohlfühlessen zu machen. Wir waren selbst gerade in Breslau, haben das Essen genossen und denken zu wissen, wovon wir reden. Und haben auch die modernen Interpretationen der schlesischen Küche lieben gelernt.
Der Hinweis auf die aktuelle Sonderkarte im Syrenka kam aus unserer Leserschaft – und genau solche Tipps geben wir gerne weiter. Denn manchmal muss es eben nicht die nächste internationale Trendküche sein. Manchmal reicht eine gute Roulade mit Klößen und Rotkohl, um einen Restaurantbesuch zu einem kleinen Ausflug in die kulinarische Geschichte zu machen.
Unser Tipp: Wer neugierig auf schlesische Spezialitäten ist, sollte sich die Karte im Syrenka einmal anschauen. Und vielleicht vorher überlegen, ob nach der Hauptspeise wirklich noch Platz für Makówki bleibt.
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