Kolberg baut sein grünes Herz um
von Jens vom Kolberg-Café
Der Skwer Pionierów (früher Pionierplatz), mitten in der Stadt, ist Großbaustelle. Neue Wege, mehr Grün, ein Café, eine Bühne und Ruhezonen sollen den zentralen Parkbereich in Kolberg attraktiver machen. Rund 12,9 Millionen Złoty kostet das Projekt. Bis zum Sommer 2027 soll die Verwandlung abgeschlossen sein. Doch was genau entsteht hier eigentlich – und was bleibt von dem vertrauten Platz?
Wenn Du in den vergangenen Wochen durch das Zentrum von Kolberg (Kołobrzeg) spaziert bist, wirst Du es vermutlich schon bemerkt haben: Am Skwer Pionierów ist nichts mehr so, wie es einmal war. Wo Du früher zwischen Bäumen, Wegen und kleinen Pavillons flaniertest, bestimmen inzwischen Bauarbeiten das Bild. Alte Pflasterflächen sind verschwunden, Wege werden neu angelegt und an verschiedenen Stellen wird bereits an den Fundamenten für neue Gebäude gearbeitet.
Was zunächst nach einer gewöhnlichen Parksanierung aussieht, ist tatsächlich ein wesentlich größeres Vorhaben. Unter dem Namen „Zielone Tarasy Kultury“ – Grüne Kulturterrassen soll hier ein neuer innerstädtischer Begegnungsraum entstehen. Er verbindet den Skwer Pionierów mit dem angrenzenden Park 18 Marca und soll künftig Erholung, Natur, Gastronomie und kulturelle Veranstaltungen unter einen Hut bringen.
Und nein: Der Park wird nicht einfach nur ein bisschen aufgehübscht. Die Stadt hat einiges vor.
Vom Juli-Gerücht zur tatsächlichen Großbaustelle
Als Mitte Juli 2026 erste Informationen über das Vorhaben die Runde machten, war die Verunsicherung durchaus verständlich. Die Bürgermeisterin hatte das Projekt vorgestellt, doch vor Ort war zunächst wenig von einer größeren Baustelle zu sehen. Lediglich der kleine Pavillon neben der Fontäne war bereits verschwunden.
Der entscheidende Schritt folgte am 14. Juli 2026. An diesem Tag unterzeichnete die Stadt den Bauvertrag mit der Firma T1C Sp. z o.o. aus Breslau (Wrocław). Der Auftrag hat einen Wert von fast 13 Millionen Złoty, umgerechnet rund drei Millionen Euro.
Die Bauarbeiten begannen anschließend mit den Vorbereitungen und dem Rückbau der vorhandenen Infrastruktur. Im September waren bereits nahezu sämtliche alten Wege und befestigten Flächen entfernt. Auch die alten Pflastersteine und Betonplatten wurden ausgebaut.
Was damit passiert? Sie landen nicht einfach auf der Deponie. Nach Angaben der Stadt werden die Materialien auf dem Gelände der städtischen Grünanlagenverwaltung eingelagert und sollen bei anderen Bauvorhaben oder zur Reparatur bestehender Wege wiederverwendet werden.
Ein kleiner Beitrag zur Kreislaufwirtschaft.
Warum wird der Park überhaupt umgestaltet?
Die Idee ist keineswegs neu. Bereits im März 2022 hatte die Stadt die Bürger nach ihren Vorstellungen für die Zukunft des Pionierplatz (Skweru Pionierów) und des Parks am Platz des 18. März (Parks 18 Marca) gefragt.
Das Ergebnis war ziemlich eindeutig: Die Menschen wollten mehr Grün, gepflegte Wege, Möglichkeiten zum Ausruhen und einen Ort, an dem auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden können.
Anschließend wurde ein Architektur- und Städtebauwettbewerb ausgeschrieben. Insgesamt 15 Entwürfe wurden eingereicht. Den ersten Preis erhielt das Warschauer Architekturbüro JAZ+ Architekci Żmijewski Jaworski mit den Architekten Julian Żmijewski und Andrzej Jaworski.
Der Entwurf verfolgt einen interessanten Ansatz: Der Park soll nicht zu einer reinen Veranstaltungsfläche werden, aber auch nicht länger nur eine Grünfläche sein, durch die man möglichst schnell hindurchläuft.
Stattdessen sollen unterschiedliche Bereiche entstehen. Manche laden zum Verweilen ein, andere dienen der Bewegung, wieder andere bieten Raum für Kultur, Begegnung und kleine Veranstaltungen.
Das Ziel ist ein Park, der sowohl für die Einwohner als auch für die Gäste des Kurortes funktioniert – und zwar nicht nur während der sommerlichen Hauptsaison.
Ein Café, ein Stadtschaufenster und ein Pavillon für Regentage

Besonders spannend ist der Blick auf den beigefügten Lageplan. Dort sind die einzelnen Bereiche bereits ziemlich genau eingezeichnet.
Eine der auffälligsten Neuerungen entsteht entlang der Armii-Krajowej-Straße: ein eingeschossiger Pavillon mit einer Holzständerkonstruktion und großen Glasflächen.
Hier sind gleich mehrere Funktionen vorgesehen:
-
Ein Café beziehungsweise eine Eisdiele mit entsprechender gastronomischer Infrastruktur und saisonalem Außenbereich.
-
Ein Showroom der Stadtmarke Kolbergs, der die Stadt und ihre touristischen Angebote präsentieren soll.
-
Möglichkeiten für kleinere kulturelle Veranstaltungen und Präsentationen.
-
Perspektivisch auch touristische Informationen und ein Geschäft mit Kolberg-Souvenirs.
Am 21. Oktober gab es dazu bereits einen sichtbaren Baufortschritt: Die Bewehrung für die Bodenplatte war vorbereitet, und die Stahlbeton-Fundamentplatte wurde hergestellt.
Ein zweiter Pavillon bekommt eine ganz andere Aufgabe. Der sogenannte Regenpavillon („Pawilon Deszczowy“) ist als offene Stahlkonstruktion mit Überdachung geplant. Hier sollen kleinere Auftritte und Veranstaltungen möglich sein. Der Name ist dabei durchaus praktisch: Kultur unter freiem Himmel, aber nicht zwingend mit nassen Köpfen.
Dazu kommt eine eigene Vorfläche für Veranstaltungen vor dem Café- und Pavillongebäude.
Was sich im Park sonst noch verändert
Der Lageplan zeigt, dass die Planer den Park in zahlreiche unterschiedliche Erlebnis- und Aufenthaltsbereiche aufteilen wollen.
Dazu gehören unter anderem:
-
Eine Hauptbühne für kulturelle Veranstaltungen.
-
Ein zentraler Platz mit Möglichkeiten zum Sonnenbaden.
-
Terrassen, Sitzgelegenheiten und eine Hängemattenzone.
-
Bereiche für Yoga und Meditation.
-
Ein Aromatherapiebereich zwischen den Apfelbäumen.
-
Ruheplätze unter Linden und Eichen.
-
Eine Allee der Sammler und eine geplante Börse für Sammler als eine Art Trödelmarkt
-
Trinkwasserstellen und sogar eine Wasserstelle für Vögel.
-
Neue Fahrrad- und Rollerabstellplätze.
Auch die bekannte Fontäne bleibt Teil des Parks. Sie soll modernisiert werden und weiterhin einen wichtigen Orientierungspunkt bilden. Im Lageplan sind neben der Fontäne eigene Ruhebereiche vorgesehen.
Besonders schön finde ich den Gedanken, dass nicht jede Ecke des Parks künftig etwas leisten oder anbieten muss. Es soll ausdrücklich auch Plätze geben, an denen man einfach sitzen, durchatmen und die Umgebung genießen kann.
Mehr als 4.000 Sträucher und 36 neue Bäume
Der vielleicht wichtigste Teil des Projekts steckt allerdings nicht in den Gebäuden, sondern im Grün.
Die Planung sieht 36 neue Bäume vor, darunter vor allem Linden und Buchen, aber auch Ahorn und Zierkirschen. Hinzu kommen:
-
4.013 Sträucher
-
925 Kletterpflanzen
-
2.350 Stauden
-
300 Zwiebelpflanzen
-
Weitere 380 Pflanzen für spezielle Retentionsbeete.
Auch der vorhandene Baumbestand soll berücksichtigt und gepflegt werden.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Regenwassermanagement. Geplant sind sogenannte Regengärten und Retentionsflächen, die Niederschläge aufnehmen und speichern können. Das Wasser soll nicht einfach möglichst schnell in die Kanalisation verschwinden, sondern dem Grün zugutekommen.
Damit verfolgt die Stadt auch ein ökologisches Ziel: weniger versiegelte Flächen, geringere sommerliche Hitzeentwicklung und bessere Bedingungen für Pflanzen und Tiere.
Im Oktober hieß es vonseiten der Stadt, dass die Rekultivierung der Grünflächen bereits begonnen habe. Sämtliche geplanten Pflanzungen sollten bis Ende November 2026 abgeschlossen sein.
Das ist ein durchaus ambitionierter Zeitplan, denn schließlich müssen nicht nur ein paar Blumen gesetzt werden.
Ein Stück Stadtgeschichte bleibt erhalten
Bei aller Veränderung gibt es auch eine gute Nachricht für diejenigen, die sich mit der Geschichte Kołobrzegs beschäftigen.
Der Skwer Pionierów ist nämlich keineswegs eine beliebige Grünfläche. Die Geschichte des Areals reicht weit zurück.
Der heutige Plac 18 Marca trug früher den Namen Kaiserplatz (Kaiserplatz beziehungsweise Kaiserplatz/Kaiserplatz – polnisch: Kaiserplatz, deutsch: Kaiserplatz). Er entstand nach der Auflösung der Festung Kołobrzeg im 19. Jahrhundert. Nach 1872 wurden ehemalige Festungsflächen für die Stadtentwicklung freigegeben. Der Platz wurde in den folgenden Jahren repräsentativ gestaltet und durch den Stadtgärtner Heinrich Martens geprägt.
Die Umgebung war damals teilweise dicht bebaut. Repräsentative Bürgerhäuser säumten die Straßen, und der Platz bildete einen wichtigen Bestandteil des Stadtbildes.
Im März 1945 wurde Kołobrzeg bei den schweren Kämpfen weitgehend zerstört. Auch dieser Innenstadtbereich war betroffen. Nach dem Krieg wurden Trümmer beseitigt, und Teile der früheren Bebauung wurden nicht wieder aufgebaut. So entstand jene offene Stadtraumstruktur, die wir heute kennen.
Eine alte Karte, auf die eine aufmerksame Leserin hingewiesen hat, erzählt deshalb tatsächlich eine interessante Geschichte: Wo heute Grünflächen und Spazierwege liegen, befanden sich früher auch Gebäude und Straßenräume.
Eine wichtige Erinnerung an die jüngere Geschichte bleibt ebenfalls erhalten: der Gedenkstein für die Pioniere Kołobrzegs.
Der große Stein mit der Bronzetafel erinnert an die ersten polnischen Einwohner, die nach dem Zweiten Weltkrieg in die zerstörte Stadt kamen und am Wiederaufbau beteiligt waren. Er wurde 2001 aufgestellt.
Anfang November 2026 bestätigte die Stadt auf Nachfrage eines lokalen Nachrichtenportals, dass der Gedenkstein samt Tafel an seinem bisherigen Standort bleiben wird. Auch der Name Skwer Pionierów bleibt erhalten.
Das ist eine gute Entscheidung. Denn ein moderner Park muss seine Geschichte nicht entsorgen, um eine Zukunft zu bekommen.
Was kostet das Ganze – und wer bezahlt?
Die Investition ist nicht gerade ein kleines kommunales Verschönerungsprogramm.
Der unterzeichnete Bauvertrag mit T1C beläuft sich auf exakt 12.903.787,16 Złoty. Das entspricht grob drei Millionen Euro, abhängig vom Wechselkurs.
Die Stadt erhält dafür 4.999.512,62 Złoty aus europäischen Fördermitteln des Programms „Fundusze Europejskie dla Pomorza Zachodniego 2021–2027“. Das Geld stammt aus dem Förderbereich zur Entwicklung und Stärkung des touristischen Potenzials der Region.
Der Rest wird von der Stadt getragen.
Die Investition ist damit auch ein Teil der langfristigen touristischen Entwicklung Kolbergs. Ein Kurort lebt schließlich nicht allein von Strand, Seebrücke und Promenade. Auch die Innenstadt muss Aufenthaltsqualität bieten.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Zeitplan sieht zwei wesentliche Bauabschnitte vor.
Bis zum 15. November 2026 soll der erste Abschnitt abgeschlossen werden. Dazu gehören die äußeren Versorgungsleitungen, die Gestaltung der Außenflächen, die Grünanlagen und die Ausstattung mit Stadtmobiliar.
Die Pflanzarbeiten sollen nach dem im Oktober veröffentlichten Zwischenstand bis Ende November abgeschlossen werden.
Bis zum 31. Mai 2027 folgt der zweite Abschnitt: der Pavillon für Freizeit und Gastronomie einschließlich seiner Ausstattung.
Damit ist auch klar, warum die Arbeiten nicht mit dem Ende des Jahres abgeschlossen sein werden. Der eigentliche Parkbereich soll früher fertig werden, während das Café- und Showroomgebäude noch bis ins Frühjahr hinein gebaut und ausgestattet wird.
Nach dem derzeit bekannten Stand soll die gesamte Anlage rechtzeitig vor der Sommersaison 2027 fertig sein.
Der letzte veröffentlichte Zwischenstand vom 21. Oktober zeigte bereits die vorbereitete beziehungsweise hergestellte Fundamentplatte für den Gastronomiepavillon. Eine neuere offizielle Fortschrittsmeldung mit einer abschließenden Bestätigung der Pflanzarbeiten lag zum 7. November noch nicht vor.
Wird Kolberg damit ein schöneres Stück Innenstadt bekommen?
Das wird sich letztlich erst zeigen, wenn die Bagger verschwunden sind und die Pflanzen angewachsen sind.
Die Idee ist jedenfalls reizvoll: ein grüner, offener Park, in dem Du einen Kaffee trinken, unter Bäumen sitzen, eine kleine Veranstaltung besuchen oder einfach auf dem Weg zwischen Kurviertel und Innenstadt eine Pause einlegen kannst.
Natürlich wird es auch darauf ankommen, wie gut die einzelnen Bereiche später gepflegt werden, wer das Café betreibt und wie regelmäßig die geplanten Veranstaltungsflächen genutzt werden.
Ein schöner Pavillon allein macht schließlich noch keinen lebendigen Stadtplatz.
Aber die Voraussetzungen sind da. Wenn die Planer ihre Vorstellungen umsetzen können, bekommt Kolberg einen vielseitigen Aufenthaltsort, der weit über einen gewöhnlichen Stadtpark hinausgeht.
Und vielleicht wird aus der heutigen Großbaustelle schon im kommenden Sommer wieder jener angenehme Ort, an dem man auf dem Weg durch die Stadt gerne ein paar Minuten länger bleibt.
Die Bäume brauchen dafür etwas länger als die Bagger. Aber das ist bei einem Park eigentlich eine ganz gute Nachricht.
Quellennachweise:
- Bild vom Plakat der neuen Aufteilung: Claudia (Leserin)
- Bild von der Baustelle: Andreas Schwarze
- e-KG, 1. November 2026 – Der Gedenkstein der Pioniere bleibt erhalten. Wichtig für die historische Einordnung und die Bestätigung durch den Stadtsprecher.
-
OK! Kołobrzeg, 21. Oktober 2026 – Fundamentplatte und Einzelheiten zum neuen Pavillon. Besonders wertvoll für die geplante Café-, Showroom- und Gastronomienutzung.
-
Informacje Kołobrzeg, 16. Oktober 2026 – Aktueller Baufortschritt. Enthält den Stand der Außenarbeiten und den Pflanztermin Ende November.
-
i-kolobrzeg: Vertragsunterzeichnung vom 14. Juli 2026. Grundlage für Auftragnehmer, Vertragswert und EU-Förderung.
-
Architekturwettbewerb und Siegerentwurf von 2022. Hintergrund zu Bürgerbeteiligung und Planung.
-
Miastokolobrzeg: Historische Entwicklung des Skweru Pionierów. Zur früheren Bebauung und Zerstörung im März 1945.
Kommentare
Einen Kommentar schreiben