Grundstück am Strand zu haben

von Jens Hansel (Kommentare: 0)

Wohl einzigartig: Ein Grundstück am Strand wird verkauft. Aber: Es gibt einen Haken.

Das alte Badehaus in Kolobrzeg (Kolberg). Foto: Kolberg-Café
Heute: Das Badehaus, das man kaufen kann

Ein wohl einzigartiges Angebot offeriert ein Makler zurzeit: Ein Grundstück am Hauptstrand von Kolobrzeg (Kolberg). Einen Haken hat die ganze Sache: Die Nutzung ist an enge Auflagen geknüpft. Es geht immerhin um das Gelände des früheren Badehauses.

Immerhin 6,5 Millionen Zloty (gute 1,6 Millionen Euro) sind für die knapp 2.400 Quadratmeter aufgerufen. Neben viel Sand findet sich auf dem Gelände noch das Holzgebäude des Familienbad-Badehauses in eher schlechtem Zustand. Wer dort heute vorbeigeht, fragt sich, ob das so sein muss. Der Makler weist darauf hin, dass der Bebauungsplan eine dem früheren Gebäude ähnliche Rekonstruktion erlaubt. Wer also die 1,6 Millionen Euro locker auf den Tisch legen kann und dann noch einen ordentlichen Betrag übrig hat, soll laut Angaben des Verkäufers zum Beispiel möblierte Zimmer am Wasser (vorstellbar seien Kontruktionen ähnlich Floating Houses), eine Heilwasser-Bar, Aussichtsterassen, Souvenierläden, Cafés oder Unterkünfte errichten können. Allerdings wird alles zusammen nicht auf die Fläche passen: Vom Gelände darf nur weniger als die Hälfte überhaupt bebaut werden.

Bis zu drei Geschosse bei einer Maximalhöhe von 12 Metern sind möglich, so der Makler. Eine große Seeterasse ist ebenfalls denkbar. Scheinbar hat der Anbieter schon ein Konzept in der Schublade und schlägt sogar die Aufteilung von Gast- und Wirtschaftsräumen auf die Etagen vor. Alle erforderlichen Anschlüsse seien bereits vorhanden.

Historisch ist der Ort unzweifelhaft faszinierend: Hier boomte der Badetourismus (siehe auch Geschichte Kolbergs), als das Holzgebäude als Familienbad 1902 und 1903 (so die Makler-Angaben) errichtet wurde.

Ganz ehrlich: Ein faszinierendes Gedankenkonstrukt eröffnet sich, wenn man sich vorstellt, dass hier ein finanzstarker Investor eine nicht allzu kommerziell ausgerichtete Ausgabe tätigt. Sicher wird sich in Anbetracht der verfügbaren Fläche und bezogen auf die Kosten (neben der Errichtung ist auch die Instandhaltung zu berechnen, die bei dem Bau auf dem Sand so direkt an der Ostsee erheblich sein dürften) keine Geldscheffelmaschine hier betreiben lassen. Aber ein historisch behutsam die Architektur der Vergangenheit aufnehmendes Boutique-Hotel mit einem guten Restaurant und Café könnte man sich an diesem Ort perfekt vorstellen.

Drücken wir diesem herrlichen Ort die Daumen, dass sich ein eher altruistisch eingestellter wohlhabender Mensch findet, der hier einen schönen Platz für die Menschen am Strand schaffen mag. Schön ist jedenfalls, dass die Bauvorschriften an dieser Stelle sehr streng zu sein scheinen und damit Bausünden zumindest nicht wahrscheinlich sind. Historische und aktuelle Bilder veröffentlicht der Makler übrigens bei der Objektbeschreibung.

Wer Interesse hat, findet das Angebot beim Makler baszta.

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