An der Ostseeküste entlang gerollt

von Hartmut Smikac (Kommentare: 0)

Barriefreier Urlaub in Kolobrzeg (Kolberg)?

(Text und Bild von Hartmut Smikac) Die Ostseeküste hat viele schöne Plätze. Einer der schönsten dieser Orte ist ganz sicher die polnische Stadt Kołobrzeg (Kolberg). Der Sole- und Kurort an der Mündung der Persante (Parsęta) wurde im Rahmen der deutschen Ostsiedlung gegründet und entwickelte sich auf der Grundlage des aufblühenden Bädertourismus seit dem 19. Jahrhundert zu einem der bekanntesten Badeorte an der Ostsee.

Die Auswahl eines Reisezieles ist für uns mit unseren Mobilitätseinschränkungen nicht immer ganz einfach, denn es müssen stets Orte sein, an denen man sich auch mit Rollstuhl gut bewegen kann. In diesem Fall gab der Name Kolberg den ersten Impuls, über eine Reise dorthin nachzudenken (koło = Rad, brzeg =Ufer). Die ersten Informationen aus Kolobrzeg waren vielversprechend und so wurden unsere Reisepläne bald konkreter und mündeten schließlich in unserer Buchung.

Wer nach Kolobrzeg kommt, reist in eine Stadt, die vor allem Kurstadt an der Ostsee ist. Das trifft auch für jene zu, die in ihrer individuellen Mobilität eingeschränkt sind oder mit Rollstuhl reisen. Unter den Hotels der Stadt gibt es mehrere, die entsprechende Gästezimmer anbieten. Auch Gäste mit Mobilitätseinschränkungen finden hier, entsprechend ihrer individuellen Einschränkungen mehrere Möglichkeiten, sich mit Massagen oder Bädern pflegen zu lassen.

Viele Spazier- und Wanderwege sind auch mit dem Rollstuhl möglich

Für Besucher mit Mobilitätseinschränkungen ist Kolberg vor allem eine Stadt für ausgedehnte Spaziergänge entlang der Küste sowie durch die Parks der Stadt. Insgesamt gibt es zwölf Parks auf dem Stadtgebiet - viele Möglichkeiten also, auch bei Sommersonnenschein ein schattiges Plätzchen zu finden. Auf alle Fälle sollte man sich aber Zeit für den Stefan-Scheromski-Park (Park im. Stefana Żeromskiego) nehmen. Er erstreckt sich vom Passagierhafen bis zu den Steinschanzen den gesamten Küstenstreifen entlang und bietet die Möglichkeit, auf der schattigen Strandpromenade entlang zu wandern oder die Parallelstraße mit ihren Restaurants, Cafés oder Imbissständen zu nutzen. In diesem Abschnitt befindet sich auch die vielbesuchte Seebrücke und wer hierher geht, sollte wissen, dass man, besonders am Wochenende, kaum der einzige Spaziergänger sein wird. Das vor allem dann wenn im Amphitheater oder im Park des regionalen Kulturzentrums Veranstaltungen stattfinden. Wer gerade an diesem Tag Ruhe finden und Stille genießen möchte, könnte sich für einen Spaziergang entlang des Flusses Parsenta entscheiden, im General-Dombrowski-Park bummeln oder einen Spaziergang nach Budzistowo, dem Ort der eigentlichen Gründung von Salz-Kolberg entschließen. Dieses Dorf liegt nur vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und die Wanderung dorthin ist auch mit Rollstuhl gut möglich.

Kopfsteinpflaster und manche Wege störend

Selbstverständlich gibt es auch beim Spaziergang durch die Stadt viel zu sehen und zu entdecken. Wer mit Rollstuhl in den Parks unterwegs ist, wird insgesamt gut befahrbare Wege vorfinden. Das trifft ebenso auf die Stadt zu - insofern man vor allem jene Wege benutzt, welche auch mit den touristischen Wegweisern als Routen empfohlen werden. Hier gibt einen festen Untergrund sowie Abschrägungen der Bordsteinkanten an den Straßen und Einmündungen. Abseits dieser Strecken kann es jedoch auch schon einmal schwieriger werden oder letztlich doch Treppen die Weiterfahrt verhindern. Kopfsteinpflaster, dass die Fahrt mit dem Rollstuhl beschwerlich macht, gibt es im Passagierhafen sowie in der Altstadt um das Rathaus herum.

Für Besucher mit Rollstuhl wird die Stadt Kolberg faktisch durch den Bahnhof und die Eisenbahnschienen geteilt. Aus der Stadt führen zwei Wege über dieses Hindernis. Rechts des Bahnhofsgebäudes gibt es nach den kleinen Imbissständen und Restaurants eine Fußgängerbrücke, die mit Lift allen den Weg über die Gleise ermöglicht. Der andere Weg führt links vom Bahnhof entlang des Taxistandes vorbei an kleinen Geschäften und dem Basar zur Strandpromenade.

Wer mit dem Auto in die Stadt kommt, findet relativ viele Parkflächen vor, die mit Behindertenparkkarte gebührenfrei genutzt werden dürfen. Zu den öffentlichen Gebäuden und größeren Geschäften gibt es in der Regel ebenerdige Zugänge manchmal zwar mit verhältnismäßig steilen, aber befahrbaren Schrägen. Auf die kleineren Geschäfte trifft das nicht zu. Hier muss man warten, bis die Mitarbeiter zur Tür kommen.

Im öffentlichen Nahverkehr werden auch in Kolberg zu einem hohen Anteil Niederflurfahrzeuge eingesetzt, bisher gibt es jedoch keine in der Höhe angepassten Haltestellen.

Mit dem Rollstuhl unterwegs und sich in einem Restaurant oder einem Café stärken? Im Bereich der Seebrücke ist das kein Problem. Hier wird man auch ebenerdig zugängliche Gaststätten finden. Im Raum um das Rathaus herum muss man sich vor allem auf die Außerbereiche der Restaurants konzentrieren, die zwar auf Podesten stehen, aber teilweise auch mittels angelegter Schräge erreichbar sind. Es gibt jedoch überall auch für Rollstuhlnutzer zugängliche Restaurants - viele sind es aber nicht - also merken Sie sich diese, auch dann wenn Sie in dem Moment nur vorbeigehen.

Museen schwer zugänglich

Nur wer sich in Kolberg als Rollstuhlfahrer ein Museum ansehen möchte, hat schlechte Karten. Es gibt mehrere Museen, die allerdings nur über Treppen, oder, wie das Polnische Waffenmuseum, mittels einer nicht zu empfehlenden steilen Behelfsschräge zu erreichen sind. Ebenso ist das Aquarium beim Hotel "New Skanpol" nur über Stufen zugänglich.

Kolberg ist eine schöne Stadt, die auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen viele Möglichkeiten für schöne und erholsame Stunden bietet. Falls Sie sich jetzt für eine Reise in diese Stadt entschließen und weitere Details zur Reisevorbereitung benötigen, dann gibt es bei der <a title="Neues Fenster: http://www.kolobrzeg.pl/dla-turysty"" href="http://www.kolobrzeg.pl/dla-turysty"" target="_blank">Touristinformation weitere Auskünfte, sowie die Möglichkeit, sich speziellen Auskünfte für mobilitätseingeschränkte Urlauber schicken zu lassen. Einen ausführlicheren Bericht zu diesem Reiseziel kann auch dem Portal "Barrierefreier Tourismus Info" nachgelesen werden. Auf diesem Portal gibt es ebenfalls unverbindliche Hinweise zu den in Polen zugestandenen Parkkonzessionen für Inhaber von Behindertenparkkarten sowie eine kurze Wortliste zu Begriffen, die bei der Ausschilderung im Straßenverkehr Verwendung finden.

 

Wir danken Hartmut Smikac für diesen Gastbeitrag und das Foto.

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