Kompakt: Das Waffenmuseum

  • 70 Militärexponate, etwa eine MiG, ein 'Würger' oder eine Focke-Wulf fw190
  • Mitten in der Stadt gelegen
  • Außenstelle am Hafen mit verschiedenen Schiffen

Das ist die Ausrüstung, mit der die bewachten Parkplätze in Kołobrzeg (Kolberg) abends gesichert werden

So lautet eine der beliebtesten Antworten von Witzbolden, die von Touristen auf den Anblick des Außengeländes des Museums der polnischen Waffen angesprochen werden. Das Museum wird auch Militär- oder Waffenmuseum genannt. Es wirkt aber auch etwas bizarr: Mitten in der hübschen neuen Altstadt Kołobrzegs hat man plötzlich den Eindruck, um einige Jahrzehnte in die Vergangenheit gereist zu sein, und nun direkt vor einem Militärparkplatz zu stehen. Aber natürlich spielt diese Antwort auch mit einem der Klischees, die Polen gegenüber bestehen.

Waffenmuseum Außengelände in Kolobrzeg - Kolberg. Foto: Kolberg-Café
Interessante ehemals fliegende Exponate

Wer sich für Militärgerätschaften interessiert, sollte auf jeden Fall sofort den Besuch des Museums in den Terminkalender für den Aufenthalt in Kołobrzeg eintragen: Hier steht ein 'Würger', ein Jagdflugzeug der Bremer Focke-Wulf-Flugzeugbau vom Typ Focke-Wulf fw 190 friedlich in der Nähe eines russischen T34-Panzers. Eine Boeing B17 Flying Fortress ('Fliegende Festung') überragt erhaben viele der Militärfahrzeuge und Flugzeuge aus der Zeit des kalten Krieges. Das Motorrad Falcon 600 aus dem Jahr 1936 passt irgendwie ebenso in die Szenerie wie eine russische MiG 19p, ein kleines Flugzeug der russischen Fabrikation von Mikojan und Gurewitsch (MiG). Rund 70 große Exponate machen nicht nur Freunde von Militärausrüstung neugierig, sondern auch Kinder haben daran oft großen Spaß.

Aber auch, wer sich für die Militärgeschichte Polens seit dem frühen Mittelalter interessiert, sollte den Eintrittspreis auf jeden Fall ausgeben. Zeichnungen und Gemälde sorgen dafür, dass man sich die frühere Burg Kolberg besser vorstellen kann, aber auch den Angriff auf das Fort Münde - wo sich der heutige Leuchtturm befindet. Pfeilspitzen, Äxte und anderen Waffen, die bei Ausgrabungen gefunden wurden, können besichtigt werden. Die Errungenschaften der Technik für den Kampf auf See - vom Anker bis zum Kompass - sind ausgestellt und auch Ausrüstungen, Uniformen und Rüstungen kommen nicht zu kurz. Exotische Dinge wie die Enigma-Chiffriermaschine gehören ebenfalls zur ständigen Ausstellung. Die ständige Ausstellung wird um Wechselausstellungen ergänzt. Auf der Internetseite des Museums findet sich ein Flyer zum Download, der auf Deutsch, Englisch und Polnisch über die aktuellen Ausstellungen und Preise informiert.

Der Besuch des Museums dauert je nach Intensität des Interesses an den großen Exponaten auf dem Außengelände etwa 45 Minuten bis 90 Minuten. Die meisten Ausstellungsstücke sind eher spärlich beschriftet, auch mehrsprachige Erklärungen findet man sehr selten. Es gibt kostenlose Heftchen, die die Exponate auch auf Deutsch kurz erläutern. Keine Frage: Die Ausstellung selbst wirkt schon etwas historisch und könnte eine Modernisierung durchaus vertragen - nichtsdestotrotz empfehlen wir sie Ihnen. Fast alle Dinge sind selbsterklärend und es gibt freundliches Personal, das im Zweifel weiterhilft. Auch wenn nach Angaben des Museums rund 130.000 Besucher jährlich dieses besichtigen, so empfanden wir es nie als überfüllt. Einen großen Teil der Zahl machen sicher auch die Schulklassen aus, die gelegentlich wochentags das Museum bevölkern.

Schiff im Museum in Kolobrzeg - Kolberg. Foto: Kolberg-Café
Eines der zu besichtigenden Schiffe

Das Museum, gegründet 1925 als Nettelbeck-Museum in Erinnerung an die gefeierte Verteidigung Kolbergs im Jahr 1807, wurde 1945 zerstört (zur umstrittenen Rolle Nettelbecks siehe auch Artikel zum Patrizierhaus). Es befand sich im heute für die Wechselausstellungen genutzten benachbarten - sehr sehenswerten Patrizierhaus - im gotischen Stil. Ein Wiederaufbau und die inhaltlich veränderte Ausrichtung samt Vergrößerung erfolgte von 1957 bis 1963.

Heute gibt es drei Standorte des Museums. Der Hauptstandort ist an der ul. Emilii Gierczak 5. Dieser ist einfach zu finden: Vom Marktplatz aus, am Rathaus, orientiert man sich einfach in Richtung Fluß Parsęta (Persante). Die recht große Freifläche der Außenausstellung ist kaum zu übersehen, sie liegt nahe beim großen Hochhaus an der Persante 'nad Parseta'.

Die Außenstellen des Museums: Eine davon ist das Museum für Stadtgeschichte im Braunschweigschen Haus. Die zweite Außenstelle ist ein Schiffs-Außengelände mit dem  Boot "ORP Fala" (Fala heißt Welle) im Hafen. Dazu muss man ein wenig in Richtung Westen gehen: Neben dem Fischereihafen bei der Salz-Redoute findet sich die Ausstellung mehrerer militärischer Schiffe. Diese Ausstellung ist moderner und auch mit deutschsprachigen Erläuterungen versehen.

Es natürlich auch Kombi-Tickets für alle Museen, also das Museum der polnischen Waffen, das Hafenmuseum und das Museum für Stadtgeschichte. Diese kosten etwas mehr als das jeweils normale Ticket. Für Fotos wird eine Gebühr erhoben. Ermäßigungen erhalten Schüler/Studenten bis zu einem festgelegten Alter, Rentner/Ruheständler und Menschen mit Behinderungen gemäß der unten verlinkten Preisliste.

Öffnungszeiten: In der Hauptsaison (Juli/August) täglich von 9-18 Uhr (Montags nur am Vormittag bis 14 Uhr), in der Nebensaison Dienstag-Sonntag 9-17 Uhr (Donnerstag 11-18 Uhr), in den Wintermonaten 9-16 Uhr (Montags geschlossen).
Kartenpreise: Normalpreis ungefähr 4 Euro, Ermäßigungen und Gruppen- sowie Familienpreise gemäß Preisliste auf www.muzeum.kolobrzeg.pl.
Adresse: Museum der polnischen Waffen Kolberg - Muzeum Oręża Polskiego w Kołobrzegu, 78-100 Kołobrzeg, ul. Emilia Gierczak 5