Stadtmuseum in Kürze

  • Die Stadtgeschichte wird anschaulich erklärt (auch auf Deutsch)
  • Sehenswerte Sonderausstellungen, ein guter Film
  • Schönes historisches Gebäude

Im Braunschweigschen Haus befindet sich die Dependance des Museums der polnischen Waffen: Diese Abteilung hat nun im Gegensatz zum Militärmuseum so gut wie überhaupt nichts mit Waffen und Militär zu tun. Hier geht es um die Geschichte der Stadt und es gibt gute Sonderausstellungen. Übrigens: Das Braunschweigsche Haus, direkt gegenüber vom nostalgisch-sozialistisch wirkenden Kaufhaus Bryza gelegen, ist auch als Gebäude allein sehr sehenswert. Sowohl zum Museum wie auch zum Gebäude informieren wir hier.

Ein Exponat im Stadtmuseum von Kolobrzeg - Kolberg. Foto: Kolberg-Café
Ein Exponat im Stadtmuseum: Frühe Bootskonstruktion

Das Braunschweigsche Haus bietet drei Säle mit Dauerausstellungen zur Geschichte der Stadt Kołobrzeg (Kolberg). Darin finden sich interessante Exponate von Geschirr bis hin zu religiösen Reliquien aus fast allen Zeiten der Stadtentwicklung. Die Ausstellung zur Geschichte beginnt im frühen Mittelalter. Alte Handwerkskünste wie Keramik, Schnitzerei, Weberei, Schuhmacherei, Fischerei, Landwirtschaft werden kurz vorgestellt, auch die Rolle des Bernsteins für Kolberg wird - wenn auch knapp - thematisiert. Die Handelsstadt Kolberg taucht natürlich intensiv im Ausstellungskonzept auf: Dokumente, Gewichte, Geldbörsen und andere Utensilien des Kolberger Kaufmanns von früher sind zu sehen.

Besonders interessant erscheint uns die Ausstellung "Die Geschichte von Kołobrzeg". Von der frühen slawischen Besiedlung über das schnell wachsende Kolberg vom 14. bis zum 16. Jahrhundert bis zum heutigen Badeort reicht die Darstellung. Auch die Zeit der Zerstörung in den Kriegen wird natürlich nicht ausgespart, so dass ein interessanter Überblick durch den Besuch der Ausstellung entsteht. Ein zehnminütiger Film, der auch in deutscher Sprache gezeigt wird, ergänzt das Gesehene. Die gesamte Ausstellung ist übrigens mehrsprachig angelegt, allerdings mit Hilfe von kleinen kostenlosen Heftchen für den Rundgang.

Waage im Stadtmuseum in Kolobrzeg - Kolberg. Foto: Kolberg-Café
Waagen- und Messgeräte-Ausstellung im Stadtmuseum

Daneben gibt es eine Meßgeräte-Ausstellung, die verdeutlicht, wie kompliziert das Messen und Umrechnen in früheren Zeiten war. Highlight der Ausstellung ist die Kolberger Stadtwaage aus dem Jahre 1680. Die verschiedenen Maße und Einheiten verwirren den heutigen Betrachter naturgemäß: Dieser profitiert schon lange von den Vorteilen einer weitgehend globalisiert vereinheitlichten Meß- und Einheitenmethodik und kann sich das frühere Durcheinander von Meßgeräten und Einheiten kaum noch vorstellen. Eingesetzt werden Filme und Präsentationen, was die Vorstellung vom Leben der Menschen im früheren Kolberg recht gut ermöglicht. Auch Tagungsräume für Konferenzen finden sich in diesem Gebäude, ebenso eine Bibliothek.

Ausstellung im Museum in Kolobrzeg - Kolberg. Foto: Kolberg-Café
Sehenswert: Sonderausstellungen

Wechselnde Sonderausstellungen werden gezeigt. Ein Beispiel: Die Ausstellung 'Die Geschichte des Kurortes Kolberg'. Insbesondere Badebekleidung spielt darin eine große Rolle - und es macht wirklich Spaß, die Badekleidung der früheren Zeiten einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Darin spiegeln sich gesellschaftliche und religiöse Werte und Normen. Und natürlich modische Aspekte. Was 'Urlaub am Meer' früher so ausmachte, wie sich das Baden mit den moralischen Werten der Menschen vertrug und wie sanitäre Anlagen und Kurhotels früher so aussahen, wird hier deutlich. Figuren, Skizzen und Dokumente verdeutlichen all dies. Die Sonderausstellungen stehen meist auf Englisch, Deutsch und Polnisch zur Verfügung.

Lohnenswert für alle, die für Museen etwas übrig haben...

Das Museum lohnt sich für alle, die keine grundlegende Ablehnung gegenüber Ausstellungstafeln und Ausstellungsvitrinen hegen. Es gibt zahlreiche Exponate, die jedoch weit weniger spektakulär - insbesondere für Kinder - im Vergleich zu den Ausstellungsstücken im Waffenmuseum sind. Je nach Interesse kann man 45 Minuten oder auch bis zu 90 Minuten im Ausstellungsbereich des Braunschweigschen Hauses verbringen. Besonders angenehm ist, dass die Exponate mittels der Übersetzungshefte mehrsprachig erklärt sind. Die Sonderausstellungen überzeugen uns meist besonders, da diese sehr zeitgemäß konzipiert sind. Der Einsatz neuerer museumspädagogischer Aspekte und mehr 'Erleben statt Lesen' machen viel Spaß und lassen den Museumsbesuch noch kurzweiliger werden.

ÖffnungszeitenIn der Hauptsaison (Juli/August) täglich von 9-18 Uhr (Montags nur am Vormittag bis 14 Uhr), in der Nebensaison Dienstag-Sonntag 9-17 Uhr (Donnerstag 11-18 Uhr), in den Wintermonaten 9-16 Uhr (Montags geschlossen). 
KartenpreiseNormalpreis ungefähr 4 Euro, Ermäßigungen und Gruppen- sowie Familienpreise gemäß Preisliste auf www.muzeum.kolobrzeg.pl
Adresse: Museum der polnischen Waffen Kolberg, Abteilung Museum für Stadtgeschichte im Braunschweigschen Haus - Muzeum Oręża Polskiego w Kołobrzegu - Oddział Historii Miasta, 78-100 Kołobrzeg, ul. Armii Krajowej 13

Das Braunschweigsche Haus

Braunschweigsches Haus in Kolobrzeg - Kolberg. Foto: Kolberg-Café
Renoviert und unübersehbar: Das Braunschweigsche Haus

Das Braunschweigsche Haus ist schon ein Hingucker: Schick renoviert spiegelt es noch heute wider, dass die Erbauer relativ wohlhabend gewesen sein dürften. Waren Sie auch: Die Namensgeber des Gebäudes, die Familie von Braunschweig, war etwa im 13. Jahrhundert über Umwege aus dem norddeutschen Braunschweig nach Kolberg gekommen und hatte hier mit dem Kolberger Salz gutes Geld verdient. Im Rat saßen die von Braunschweigs ebenfalls.

Die Familie von Braunschweig (beziehungsweise Brunswick oder Brunsweg) lässt sich bis zu Hasso de Brunsweg zurückverfolgen, dessen Sohn Busso de Brunsweg wiederum einen Sohn namens Barnim hatte. Nach einigen Generationen heiratete dann ein 'von Braunschweig' in die Kolberger Familie Plüddemann - eine Reederfamilie - ein. Das ab dem 18./19. Jahrhundert im klassizistischen Stil gebaute Gebäude wurde damit vom ehemals 'Plüddemannschen Haus' zum 'Braunschweigschen Haus'. Auch die Familie Plüddemann brachte übrigens namhafte Vertreter hervor, zum Beispiel den Komponisten und Musikpädagogen Martin Plüddemann sowie den Maler Hermann Freihold Plüddemann.

Zwar kamen die 'von Braunschweigs' nicht direkt aus Braunschweig nach Kolberg, sondern über andere Hansestädte; aufgrund des Namens geht man jedoch davon aus, dass die Wurzeln der Familie im niedersächsischen Braunschweig liegen. Daher kommt wohl auch das 'von' im Namen, allerdings handelte es sich bei den 'von Braunschweigs' auch um eine Familie des anerkannten Stadtadels.

Beschädigungen und Wiederaufbau

Eingang des Braunschweigschen Hauses in Kolobrzeg - Kolberg. Foto: Kolberg-Café
Der Museumseingang (Hinterseite)

Das Braunschweigsche Haus wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt. Die Reparatur erfolgte jedoch rasch nach dem Krieg, unter anderem beherbergte das schöne Haus die Polnische Gesellschaft für Touristik und Heimatkunde (PTTK, Polskie Towarzystwo Turystyczno-Krajoznawcz). Eine weitere Renovierung geschah im Jahr 1970 sowie im Jahr 1980. Die daher in sehr gutem Zustand befindliche klassizistische Fassade ist prägend für eine der Hauptstraßen Kołobrzegs, die Armii Krajowej.

Zu finden gegenüber von einem Einkaufszentrum...

Der Treppenaufgang steht zwar auf dem schmalen Bürgersteig etwas im Weg, sorgt aber auch dafür, dass das Gebäude auffällt. Direkt gegenüber von einem recht jungen Einkaufszentraum (dort befand sich früher das im sozialistischen Stil errichtete Kaufhaus Bryza) gelegen, bildet es gewissermaßen das Tor zur neuen Altstadt. Der andere Eingang zum Haus befindet sich direkt zur neuen Altstadt hin, an einem kleinen Parkgelände.