Die neue Altstadt (Nowa Starówka) entspringt einem städteplanerischen Konzept, das in Kołobrzeg (Kolberg) etwa in den Achtzigerjahren begonnen wurde. Im Gegensatz zur ursprünglichen Stadtplanung nach dem Zweiten Weltkrieg, nach der Kołobrzeg heute eine Ansammlung von Plattenbauten mit elf Stockwerken wäre, wurde nach dem neuen Konzept eine bunte und vielfältige Architektur gewählt. Dabei mischte man bewusst verschiedene Stile, Farben und auch Gebäudehöhen, um der Eintönigkeit wenig Raum zu lassen.

Ul. Dubois in der neuen Altstadt in Kolobrzeg - Kolberg. Foto: Kolberg-Café
Die ul. Dubois in der neuen Altstadt

Einige der früher geplanten Plattenbauten waren allerdings bereits fertig, als das neue städtebauliche Konzept vereinbart wurde. Diese Bauten rahmen heute noch mit ihren elf Stockwerken von zwei Seiten die Innenstadt ein. Beim neueren Neubau-Konzept war das Ziel allerdings, anders als beispielsweise in Gdańsk (Danzig), nicht eine historische Rekonstruktion des Stadtbildes, sondern eher eine moderne Interpretation. Daraus ergab sich, dass man Straßen verbreiterte und das Stadtbild auflockerte sowie modernere Baustoffe, Baustile und Elemente kombinierte. Sicher ist das Geschmackssache, doch festzustellen ist: Die Stadt lebt.

Neue Altstadt Kołobrzegs - Kolbergs im Winter. Foto: Kolberg-Café
Im Winter geschmückt: Die neue Altstadt

Man muss dazu sagen, dass der Wiederaufbau der Stadt aufgrund der Rahmenbedingungen einige Zeit dauerte. So musste sich die beinahe vollständig neu zugezogene Bevölkerung aus Zentralpolen und der ehemaligen Ukraine zunächst organisieren und auch in der stark zerstörten Stadt auf die wichtigen Dinge des Alltags konzentrieren.

Die neue Altstadt erstreckt sich rund um das Rathaus, von dort aus in alle Richtungen sowie ein Stückweit in Richtung Bahnhof. Aber: Im Kern befindet sich auch die neue Altstadt in den Grenzen der früheren Stadtmauer. Deren Verlauf ist noch heute am Straßenverlauf nachzuvollziehen.

Das jüngere städteplanerische Konzept, soviel kann man sagen, hat funktioniert: Heute leben die unterschiedlichsten Geschäfte, Restaurants und Gewerbe von Kundschaft aus der Stadt und auch von Touristen. Es hat sich eine vielfältige Landschaft von Einkaufs- und Freizeitangeboten etabliert. Besonders attraktiv sind dabei die ul. Dubois (Dubois-Straße), die ul. Gierczak (Gierczak-Straße) sowie die ul. Gieldowa (Gieldowa-Straße), wenn man auf Einkaufstour oder auf der Suche nach einem schönen Café oder Restaurant ist. Deren Straßenverläufe gibt es schon seit dem Mittelalter. Nach den großen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurden zwar die nicht mehr vorhandenen Gebäude nicht sofort wieder bebaut, jedoch auch nicht sofort beseitigt. So blieb die Struktur der Straßen erhalten, die alten Keller blieben oft erhalten und die neuen Häuser wurden auf die alten Grundmauern gebaut. In vielen alten Gewölbekellern findet man heute noch Geschäfte, Restaurants, Bistros und Cafés.