Kolberger Geschichte

Eine Tabelle, die die Geschichte der Stadt Kolberg (heute: Kolobrzeg) stichpunktartig zusammenfasst
Von Bis Ereignis
700 800 Die Gegend um die Mündung des Flusses Parsęta (Persante) in die Ostsee wird erstmals besiedelt. Zwei slawische Siedlungen sind nachgewiesen: Eine auf der Salzinsel, aufgrund der Salzquelle. Eine andere weiter südöstlich im heutigen Budzistowo. Diese Siedlung wird später, im 9./10. Jahrhundert, befestigt und erhält eine Burg.
972 972 Der Piastenherzog Mieszko I. erobert Westpommern für Polen, und damit auch Kolberg. Die Schlacht von Zehden (Cedynia) ist ausschlaggebend.
1000 1000 In Kolberg wird ein Bistum eingerichtet. Diese Aufwertung durch den Hauptsitz eines kirchlichen Verwaltungsbezirks hält jedoch nur etwa sieben bis dreizehn Jahre vor, bis der Bischof Reinbern vertrieben wird. Kolberg wird als Hauptstadt der Kaschubei betrachtet, die westslawischen Kaschuben lebten zwischen der Persante und der Weichsel.
1107 1107 Der Alleinherrscher Polens, Bolesław III. Schiefmund, besetzt Kolberg. Die Stadt wird offiziell Sitz des Kastellans (ähnlich: Burgvogt) und mittelalterliche Lokationsstadt.
1124 1125 Verkündung des Christentums und Einweihung der Marienkirche in Kolberg.
1255 1255 Der unter Historikern 'Deutsche Ostsiedlung' genannte hochmittelalterliche Landesausbau führt dazu, dass eine weitere Siedlung in Kolberg errichtet wird. Diese befindet sich näher am Meer, dort findet man das heutige Kolberg. Diese Siedlung erhält am 23.5.1255 das 'Lübische Stadtrecht', das vom Stadtrecht der Stadt Lübeck übernommen wurde. Verliehen wurde dieses durch den Herzog Wartislaw III. von Pommern sowie den Bischof Hermann von Gleichen, von Cammin. Die vorherige wendische Siedlung ist heute ein Vorort Kolbergs mit dem Namen Budzistowo.
1277 1277 Kolberg gehört nun zum weltlichen Herrschaftsgebiet des Bistums Cammin.
1282 1282 Verlegung des Domkapitels in die neue Siedlung Kolberg, vermutlich Beginn der Errichtung des heutigen Kolberger Doms in einer ersten Baustufe als Marienkirche um 1300.
1361 1361 Urkundliche Erwähnung, dass Kolberg Mitglied der Hanse ist. Vermutlich war die Stadt schon vorher Mitglied. Dank Salzhandel, Salzproduktion, Fischfang prosperiert die Stadt.
1380 1380 Bau eines Rathauses, das 427 Jahre später von Truppen Napoleons zerstört wird.
1400 1400 Die Stadt verfügt über ein eigenes Münzrecht, das jedoch erst 1548 durch Kaiser Karl V. bestätigt wird.
1530 1531 Einführung der Reformation in Kolberg. Etwa zur gleichen Zeit wird ein Lyzeum (Gymnasium) eingerichtet.
1618 1648 Während des dreißigjährigen Krieges wird die Stadt geplündert, es gibt Brandstiftungen und Pest-Epidemien. Das Ergebnis ist ein wirtschaftlicher Niedergang. Von 1627 bis 1631 sind kaiserliche, von 1631 bis 1653 schwedische Besatzer in der Stadt. Obwohl die kaiserlichen Truppen die Stadt befestigen, übernehmen die schwedischen Truppen sie 1631 nach fünfmonatiger Belagerung.
1653 1653 Kolberg wird von Schweden an Brandenburg übergeben, dies geschieht erst fünf Jahre nachdem das hinterpommersche Umland an Brandenburg übergeben wurde. Dies geht auf eine Vereinbarung aus dem Westfälischen Frieden und dem brandenburgisch-schwedischen Grenzvertrag zurück. Kolberg wird zur Festung ausgebaut, auf Erlass des brandenburgischen Markgrafs und preußischen Herzogs Friedrich Wilhelm von Brandenburg.
1710 1710 Errichtung des ersten von vier Gradierwerken. Die Demontage der Werke erfolgt 1860 aufgrund von Unwirtschaftlichkeit.
1758 1760 Erfolgreiche Verteidung Kolbergs gegen die Russen durch Preußen.
1761 1761 Der preußische Oberst Heyden muss nach seinen zwei erfolgreichen Abwehrmanövern die Stadt an einen russischen General übergeben. Die Stadt wird schwer beschädigt, die Bevölkerung geht über 20 Prozent zurück, alle 40 Handelsschiffe werden verloren.
1802 1803 Hans von Held verfasst als Häftling in der Kolberger Festung eine Schrift über die positiven Wirkungen des Meerbades und macht Kolberg und das Kuren im Allgemeinen damit bekannt. Der Titel der Schrift lautet: 'Über das Meerbad bei Colberg und die beste und wohlfeilste Art sich desselben mit Nutzen zu bedienen' (1803). Später, nach seinem Tod, wird von Hans von Held noch die 'Geschichte der drei Belagerungen Kolbergs im Siebenjährigen Krieg' veröffentlicht. Auch andere bekannte Personen sind in Kolberg in Haft, zum Beispiel der Militärschriftsteller Adam Heinrich Dietrich von Bülow, der Initiator der deutschen Turnbewegung Friedrich Ludwig Jahn (Turnvater Jahn), der Schriftsteller Arnold Ruge und der Erzbischof von Gnesen und Posen Martin von Dunin. Die 'Festungshaft' gilt zu dieser Zeit als Ehrenhaft und ist damit eine 'nicht entehrende Strafe' - beispielsweise bei politischen Straftaten oder Straftaten in höheren Ständen.
1807 1807 Napoleons Truppen belagern im Vierten Koalitionskrieg (Napoleonische Kriege) Kolberg bis zum Friedensschluss im Tilsiter Frieden. Die Verteidigung wird später in verschiedenen Ausprägungen als heldenhaft und legendär dargestellt und unter anderem im nationalsozialistischen Propagandafilm 'Kolberg' von Veit Harlan als Vorlage verwendet.
1830 1830 Ein erstes Solebad zum Heilen von Erkrankungen wird eingerichtet.
1829 1832 Der Architekt Schinkel liefert dem Baumeister Zwirner die Pläne für den Bau eines neuen neogotischen Rathauses. Dieses steht heute noch auf dem Marktplatz Kolbergs.
Zur gleichen Zeit wird ein städtischer Verschönerungsverein (später: Badeverein) gegründet.
1860 1860 Die Bahnlinie nach Kolberg wird eingeweiht. Sie führt nach Białogard (Belgard).
1872 1872 Kolberg ist keine Festung mehr. Dies ordnet Kaiser Wilhelm I. an. Die Entwicklung zum Kurort beginnt rasant, die 'goldenen Jahre' Kolbergs beginnen. Zahlreiche Kurhäuser, Parks, Pensionen, Hotels und Kureinrichtungen werden inbesondere unter dem Bürgermeister Hermann Haken gebaut. Haken ist später Oberbürgermeister in Stettin (Szczecin), wo heute noch die Hakenterassen nach ihm benannt sind.
1885 1903 Der Apotheker Wilhelm Anhalt erfindet in Kolberg das Produkt 'Seesand Mandelkleie' und begründet damit die Marke 'AOK' (A für Apotheker Anhalt, O für Ostseebad und K für Kolberg), die 1903 als Marke eingetragen wird.
1899 1899 Bau des Strandschlosses. Dieses prächtige Wahrzeichen der Kurstadt - und ausnehmend hübsche - Haus wird später bei den Kämpfen 1945 zerstört.
1891 1891 Kolberg schreibt sich nun mit 'K'. Vorher wurde es offiziell 'Colberg' geschrieben. Das 'K' hatte sich jedoch bereits eingebürgert.
1900 1900 Die heute noch bestehenden großen Kasernenkomplexe aus rotem Backstein werden um 1900 gebaut. Heute finden sich dort Wohn- und Gewerberäume. Weiterhin wächst die Stadt weiter: Rund 20.000 Einwohner und deutlich über 10.000 Kurgäste jährlich finden sich, Kolberg ist eines der großen Ostseebäder, es gibt eine polnische und eine jüdische Minderheit und für viele Berliner ist Kolberg der liebste Urlaubsort.
1911 1911 Kolberg erhält das Prädikat "Kurort ersten Ranges".
1914 1919 Als Reservelazarettstadt bleibt Kolberg im 2. Weltkrieg eher ruhig. Der Kurbetrieb geht weiter und Kolberg ist die "Ostseeperle" unter den deutschen Kurorten. 1919 wird Kolberg zum Sitz der Obersten Heeresleitung.
1935 1945 Weitere Kasernen, ein Militärflughafen und eine Torpedoschule werden in Kolberg gebaut. Damit wird die Stadt militärisch wichtig.
1945 findet die Schlacht um Ostpommern unter anderem in Kolberg statt. In der Zeit vom 5. bis 18. März 1945 werden 90 Prozent der Stadt zerstört. Über 70.000 Menschen (Einwohner und Flüchtlinge) werden auf dem Seewege evakuiert.
Die 'Vermählung der Soldaten der Ersten Polnischen Armee mit dem Meer' findet statt: Polen erlangt wieder Zugang zur Ostsee. Diesem Ereignis wird später, im Jahr 1963, ein heute noch an der Strandpromenade zu besichtigendes Denkmal gewidmet. Kolberg wird in den polnischen Namen Kołobrzeg umbenannt. Der Leuchturm, dieser steht heute noch am Hafen, wird auf den Mauern eines alten Forts (Fort Münde) aus dem 18. Jahrhundert errichtet.
1946 1950 Die nach dem 2. Weltkrieg verbliebenen 2.200 Bürger Kołobrzeg sind zu einem großen Teil geflohen oder erzwungen umgesiedelt. Gleiches trifft auch auf viele der Neubürger Kołobrzegs zu, die zum großen Teil aus Gebieten östlich der heutigen polnischen Ostgrenze stammen. 1950 sind wieder 7.000 Menschen in Kołobrzeg gemeldet. Diese bauen die zerstörte Stadt wieder auf.
1957 1958 Der Chor (Presbyterium) des Doms wird wieder aufgebaut.
1960 1960 Die Einwohnerzahl hat sich auf 17.000 Einwohner erhöht, und nach dem ersten Kinderkurheim (Bau 1952) wird auch der Kurbetrieb für Erwachsene wieder aufgenommen.
1963 1963 Eröffnung des Militärmuseums. Diese steht heute weiterhin zur Besichtigung bereit.
1970 1970 Die Bebauung der Altstadt mit Wohnblocks wird realisiert. Elfstöckige 'Plattenbauten' sowie das Kaufhaus 'Bryza' entstehen. Die Gebäude prägen teilweise noch heute das Stadtbild, insbesondere am Rande der Innenstadt.
1971 1971 Im Stil der Zeit wird ebenfalls aus Stahlbeton eine Seebrücke errichtet. Auch diese ist heute noch im Einsatz. Sie reicht 220 Meter in das Meer.
1974 1974 Der Wiederaufbau des Doms beginnt. Die Fertigstellung zieht sich bis 1984, als Marienbasilika prägt die ehemalige Stiftskirche heute das Stadtbild markant.
1975 1975 Eröffnung des prominent an der Seebrücke gelegenen Kurhotels 'Bałtyk'. Für die Altstadt entwickelt ein Architekt ein Gesamtkonzept, das dazu führt, dass eine völlig andere Architekturphase beginnt. Statt Plattenbauten wird auf kleinere Häuser mit unterschiedlichen Farben, Formen und Stilen gesetzt. Die wenigen erhaltenen alten Häuser werden mit in die Gestaltung einbezogen. Die Umsetzung dieses Konzepts prägt heute die 'neue Altstadt', die Starowka. Parallel entstehen zwischen dem Stadtzentrum und dem Strand zahlreiche Kurhotels.
1983 1983 Kołobrzeg hat rund 41.000 Einwohner.
1990 1990 Es gibt erstmals freie Wahlen zur Bestimmung des Stadtpräsidenten.
1992 1992 Die sowjetischen Militärstandorte in Bodenhagen (Bagicz) werden aufgelöst, die dort errichteten Wohngebiete werden unter dem Namen Podczele Kołobrzeg eingemeindet.
2000 2003 Einrichtung des Museums im Braunschweigschen Haus und Ausbau der Ausstellung.
2005 2005 46.000 Menschen leben in Kołobrzeg. Weitere Hotels und Appartmenthäuser werden errichtet. Das Sunrise-Festival als polenweit attraktive Veranstaltung findet erstmals in der Stadt statt.
2010 2010 Die ersten 5-Sterne-Hotels öffnen, die Bauarbeiten zur Strandverbreiterung beginnen.
2011 2011 Bei den Bauarbeiten zur Strandverbreiterung und zum Küstenschutz werden zahlreiche Blindgänger gefunden, die aufwändig beseitigt werden müssen. Nach Abschluss der Arbeiten sind erste Erfolge zur Strandverbreiterung sichtbar, die am Jahresende durch Stürme wieder zunichte gemacht werden.
2012 2013 Der Strand präsentiert sich verbreitert, es tut sich einiges in der Kurlandschaft: Ein neuer Kur- und Tourismusverband entsteht, das 1975 gebaute Hotel Baltyk wird saniert.
2014 2015 Zahlreiche touristische Objekte werden saniert, zum Beispiel die Seebrücke.

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