Fakten zum Amphitheater

  • 1807 als Wolfsbergschanze zur Absicherung gen Osten errichtet
  • Erweiterung von 1832-1836, gemeinsam mit der Waldenfelsschanze am Strand
  • Umbau der Waldenfelsschanze Ende des 19. Jahrhunderts zum Restaurant
  • Umbau der Wolfsbergschanze zum Amphitheater 1925
  • Heute weiterhin als Konzert- und Veranstaltungsgelände genutzt

Das Amphitheater (Amfiteatr) von Kołobrzeg (Kolberg) ist heute ein beliebter Veranstaltungsort am Rande der Stadt. Es befindet sich am östlichen Ende der Strandpromenade. Hier finden heute bekannte Festivals wie das Sunrise-Festival statt, aber auch zum Beispiel Konzerte. Mitten im Fredry-Park gelegen, ist es von hier nicht weit bis zum Strand und in den Wald - aber auch nicht weit in die Stadt.

Frühere Wolfsbergschanze

Nein, mit der Wolfsschanze in Masuren hat die Wolfsbergschanze in Kołobrzeg (Kolberg) nichts zu tun. Während die Wolfsschanze in Masuren von Hitler ab 1940 als militärisches Koordinationszentrum eingerichtet wurde, ist die Wolfsbergschanze in Kołobrzeg sehr viel älter. Und auch der historische Kontext ist ein völlig anderer.

Als Kolberg noch als Festungsstadt bezeichnet wurde, wozu auch mehr unter Geschichte zu lesen ist, gab es zahlreiche Festungsschanzen. Das waren militärische Gebäude, die zur Verteidigung und Sicherung der Stadt gedacht waren. Eine davon war die Wolfsbergschanze, die von Major Gneisenau - schon im Zusammenhang mit der schwersten Belagerung Kolbergs - im Jahre 1807 errichtet wurde. Ganz in der Nähe gab es noch eine Schanze, die ebenfalls heute noch zu sehen ist: Die Waldenfelsschanze. Sie befindet sich direkt am Meer und diente der Absicherung der Küstenlinie. Erbaut wurde sie von 1832 bis 1836. Heute befindet sich hier ein großes Café-Restaurant-Bistro mit Terasse.

Die nahegelegene Waldenfelsschanze ist heute ein Restaurant

Die Wolfsbergschanze, einige hundert Meter vom Meer entfernt am kleinen 'Wolfsberg' gelegen, war ein strategisch wichtiger Posten während der Belagerung Kolbergs im Jahre 1807 und wurde in dieser Zeit mehrfach angegriffen. Sie diente der Verteidigung Kolbergs während der Belagerung durch Napoleons Truppen: Grund war, dass sie ein Binnenfeld absicherte, das eine der wenigen Möglichkeiten für wirksame Angriffe auf das sonst recht gut gesicherte Kolberg bot. Die stärksten Kämpfe um Kolberg spielten sich hier ab, da das Ufer Kolbergs für große Schiffe der Angreifer nicht ohne Risiko erreichbar war und kleine Schiffe vom Fort Münde, dem heutigen Leuchtturm, gut abgewehrt werden konnten. Auf der Seite des Flusses Parsęta (Persante) war Kolberg ebenfalls sehr gut mit mehreren Schanzen und einer Redoute gesichert.

Hier entstand der Mythos der uneinnehmbaren Stadt

Zwar gelangen Napoleons Truppen im Jahre 1807 immer wieder Vorstöße, und zeitweise hatten sie auch die Wolfsbergschanze erobert, zur Eroberung der ganzen Stadt Kolbergs kam es aber nicht. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass Kolberg später als 'uneinnehmbare Festung' bezeichnet wurde - und militärisch verherrlicht wurde. Diese Legende der Uneinnehmbarkeit Kolbergs motivierte später Hitlers Propagandaexperten, den kriegsverherrlichenden Film Kolberg vom Regisseur Veit Harlan drehen zu lassen. Somit hat die Wolfsbergschanze im allerweitesten Sinne zumindest dahingehend etwas mit der Wolfsschanze zu tun, als sie von den Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde. Hier liegen Heldentum und Blut sehr nah beieinander: Selbst der als Held gefeierte Verteidiger Kolbergs, Major Gneisenau, der Kolberg 1807 vor den Truppen Napoleons verteidigte, musste erhebliche militärische Verluste in Kauf nehmen. Bei einem der letzten Angriffe vor dem Waffenstillstands-Abkommen in Tilsit (Tilsiter Frieden), das die Belagerung 1807 letztlich beendete, musste auch noch das imposante frühere Rathaus aufgegeben werden: Es brannte aus.

Noch im 19. Jahrhundert baute man die Wolfsbergschanze zu einem Amphitheater um. Seitdem wird das Gelände vor allem als Veranstaltungsgelände genutzt. Eine Betreibergesellschaft nutzt das Areal des Amphitheaters dazu, vielfältige Veranstaltungen hier durchzuführen. Insgesamt bietet es 4.000 Sitzplätze, bei Festivals kommen aber auch schon einmal 40.000 Teilnehmer zusammen. Dann werden auch die umliegenden Parkplätze mit als Veranstaltungsbereich genutzt. Der Zustand des Theaters ist allerdings teilweise renovierungsbedürftig.

Zum Sunrise-Festival haben wir Sonderseiten eingerichtet

Immer schön anzusehen ist der Leuchtturm von Kołobrzeg (Kolberg)